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Aktuelles ahs Ahaus  

Selbstbestimmt leben mit Demenz

Was sind die Bedürfnisse und was sind die Potentiale von Menschen mit Demenz? Und wie können diese zum Tragen kommen? Das sind die unbeantworteten Fragen, die am Anfang des Projekts der Caritas Pflege & Gesundheit des Caritasverbandes für die Dekanate Ahaus und Vreden stehen. "Die wirklichen Experten sind die Menschen mit Demenz selbst", erklären Birgit Leuderalbert, Gerontologin und Qualitätsbeauftragte, und Gaby Wigber, Teamleiterin der Wohngemeinschaft in Ahaus-Wessum, die das Projekt gemeinsam verantworten.

Probesitzen vor der Anschaffung neuer Stühle
in der Wohngemeinschaft:
Eine Mieterin testet mit Gaby Wigber den Sitzkomfort.

Den Menschen mit Demenz soll eine Stimme gegeben werden, damit sie trotz aller Einschränkung so selbstständig und selbstbestimmt wie möglich leben können. "Wir sprechen allzu schnell mit den Angehörigen, um Entscheidungen über die Belange der Betroffenen zu fällen", sagt Birgit Leuderalbert. Ihnen werde "einfach so" die Kompetenz abgesprochen, über sich selbst zu bestimmen. Sie beschwerten sich auch nicht, wenn sie übergangen werden, sondern zögen sich eher zurück.

Der Alltag der Betreuten Wohngemeinschaft in Ahaus-Wessum zeige, "dass Menschen mit Demenz sehr wohl etwas über ihre Lebensvorstellungen sagen können", so Gaby Wigber, etwa bei der Auswahl der Gardinen für die Gemeinschafträume oder der Gartengestaltung. Was es zum Mittagessen gibt, wird auch schon mal spontan entschieden, je nach dem, was im Supermarkt gerade im Angebot ist, betont Wigber Gegenwärtigkeit und Entscheidungsfreudigkeit der Bewohner. "Wir müssen nur richtig zuhören und hinsehen und Entscheidungsspielräume lassen."

"Wir wollen verstehen lernen, wie Menschen mit Demenz ihre Bedürfnisse zum Ausdruck bringen, verbal oder nonverbal", sagt Birgit Leuderalbert. Mit den Bewohnern Interviews führen, könne eine Möglichkeit sein, mehr über ihre Bedürfnisse und Wünsche zu erfahren. "Damit wollen wir den Blick schärfen und das Erleben der Erkrankten in den Vordergrund rücken", erklärt Gaby Wigber. Denkbar sei auch die Gründung eines Beirats, in dem sich die Betroffenen selbst organisieren und an den Entscheidungen, die die Wohngemeinschaft betreffen, beteiligen können. "Ziel ist es, eine Haltungsänderung bei allen Beteiligten zu erzeugen", so Birgit Leuderalbert. Ein solcher Perspektivwechsel müsse sich künftig auch im Pflegekonzept ausdrücken, fordern die beiden Pflege-Expertinnen.

"Es kann uns gelingen, in die Welt der dementiell erkrankten Menschen einzutauchen und die vermeintlich kindlichen Bedürfnisse mit erwachsener Wertschätzung zu beantworten", glauben Gaby Wigber und Birgit Leuderalbert. „Den Menschen, die ihr Leben verantwortungsvoll gelebt haben, sind wir diese Anerkennung und Wertschätzung in jedem Fall schuldig."