Matthias Wittland, Geschäftsbereichsleiter
Caritas Pflege & Gesundheit
Caritasverband für die Dekanate Ahaus und Vreden e.V.
Matthias Mört, Fachbereichsleiter
Caritas Pflege & Gesundheit
Caritasverband für das Dekanat Borken e.V.
Henrik Nagel-Fellerhoff, Fachbereichsleiter
Caritas Pflege & Gesundheit
Caritasverband für den Kreis Coesfeld e.V.
Alexia Meyer, Fachbereichsleiterin
Caritas Pflege & Gesundheit
Caritasverband Kleve e.V.
Pflege von Menschen mit chronischen Wunden
In der Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden müssen Pflegefachkräfte die Lebenssituation ihrer Patienten versuchen nachzuvollziehen. Betroffene stellen sich täglich der Anforderung, verordnete Therapien umzusetzen. Ständige Arztbesuche, die Angst vor bestehenden oder drohenden Folgeerkrankungen und regelmäßige Selbstkontrolle führen zu einer dauerhaften Präsenz der Erkrankung und einem Gefühl des "Krankseins".
Die Folge ist ein vermindertes Wohlbefinden und somit eine Verschlechterung der Lebensqualität, erklärt Karin Lustig, Krankenschwester und Pflegetherapeut Wunde ICW. Die Akzeptanz von Änderungen der bisherigen Lebensführung kann zur Unzufriedenheit des Betroffenen führen. Die Therapie erfordert ständige Selbstdisziplin und Verzichtbereitschaft vom Betroffenen. Durch Einschränkungen der Spontaneität und Flexibilität sind Lebenspartner und Angehörige im Alltag mit betroffen.
Neben dem behandelnden Arzt und anderen Berufsgruppen kann ein ambulanter Pflegedienst gezielte und vielfältige Unterstützung bieten. Die Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden wie das diabetische Fußsyndrom, Druckgeschwüre oder "offene Beine" stellen an die betreuenden Pflegefachkräfte besondere Anforderungen. Die Situation des Betroffenen ist im Krankenhaus eine andere als in seinem Alltag. Die Therapie muss an die Lebensumstände angepasst werden. Die dafür benötigten Informationen müssen von den Pflegefachkräften vor Ort erfasst werden.
Wie integriert der Betroffene seine Erkrankung im Alltag? Welche Einschränkungen erlebt er negativ? Der ständige Einblick in den Alltag von Betroffenen und deren Angehörigen ermöglicht es den Pflegefachkräften, Schwierigkeiten aber auch Möglichkeiten in der Umsetzung von Therapien zu erkennen. Durch Früherkennung von Symptomen können so Folgeerkrankungen zeitnah erkannt und behandelt werden. Voraussetzung hierfür ist die Sensibilität der Pflegefachkraft auf eine wundbezogene Krankenbeobachtung.
Neben dem krankheitsspezifischem Fachwissen sollte die Pflegefachkraft über eine hohe Kommunikations- und Beratungskompetenz verfügen. Die Versorgung erfordert von den Betroffenen und seinen Angehörigen dauerhafte Verhaltensänderungen. Dadurch entstehen neue pflegerische Ansätze. Ziel ist es, den Menschen zu befähigen, die Erkrankung in den Alltag zu integrieren.
Ein wichtiger Aspekt ist das Selbstmanagement. Niemand ist gerne auf Hilfe angewiesen. Dem Wunsch nach Selbständigkeit und Unabhängigkeit im Alltag sollten alle Beteiligten gerecht werden. Die Patientenedukation stellt hier ein neues pflegerisches Handlungsfeld dar und wird in der Pflegewerkstatt der Caritas Pflege & Gesundheit in Borken angeboten. Durch Information, Beratung, Anleitung und Schulung wird die Selbstpflegekompetenz des Betroffenen gesteigert. Themen sind etwa Fußinspektion, Erkennen von Hautveränderungen, Hautpflege, Vermeiden von Verletzungen, venenentlastende Maßnahmen, druckverteilende Lagerungen, Möglichkeiten der Bewegungsförderung, Hilfsmittel.
Patientenedukation bietet die Möglichkeit, ein risikobewusstes Verhalten zu fördern und stellt einen Prozess des Motivierens dar. Die Pflegefachkraft sollte die Lernfähigkeit beachten mit dem Ziel, dass der Betroffene und/ oder Angehörige das Gelernte verarbeiten und umsetzen können. Die Umsetzung der Maßnahmen stellt hier den psychosozialen Aspekt der Krankheitsbewältigung dar. Die Notwendigkeit der Mitarbeit muss deutlich gemacht werden!
Voraussetzung für den gemeinsamen Erfolg sind gleichwertige Partner im Netzwerk. Der Betroffene sollte sich im Mittelpunkt eines therapeutischen Teams befinden. Das Behandlungsmanagement muss optimal abgestimmt werden, um Folgeerkrankungen und deren Auswirkungen zu vermindern. Ziel ist es, durch vernetztes Handeln den Betroffenen für die Behandlung zu motivieren und ihn zu begleiten.